Abenteuer ist immer eine Frage der Perspektive: Interview mit Stefanie Seitz

 

Häkeln ist super, findet aber meistens drinnen und eigentlich immer im Sitzen statt.

Für alle, die jetzt im Frühling wieder mehr raus und am liebsten mit einem kleinen Abenteuer vor der Haustüre starten wollen, hab ich Stefanie ein paar Fragen gestellt. Sie schreibt auf ihrem Blog mama-macht-abenteuer.com über Schatzsuchen und Abenteuer vor der Haustüre.

 
 

1) Wie kam es zu deinem Blog? Was ist die Geschichte zu „Mama macht Abenteuer“?

Mein Blog ist über Umwege entstanden. Vor der Pandemie waren wir viel unterwegs und ich wollte über nachhaltiges Reisen schreiben. Aber nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass gerne unterwegs sein und über das Reisen zu schreiben, zwei Paar Schuhe sind. 

Ich schrieb immer mehr über andere Themen, wie die heimische Wildnis entdecken oder im Wald übernachten. Also eher über das wie statt über das theoretische was. 

Meine Blog-Mentorin Judith Peters brachte es schließlich auf den Punkt. An den Zoom-Call erinnere ich mich noch heute. Wir waren im Urlaub, auf einem Campingplatz und ich saß am Schwimmteich. Umgeben von fröhlich planschenden Kindern kam die Frage: “Kannst du nicht mehr von den Wald-übernachten-Artikeln schreiben?” 

Ich weiß noch, dass ich einen Moment zögerte und laut dachte: “Meinst du so was wie “Zwerge schnitzen”, “Lagerfeuer anzünden”, “Natur entdecken”? Das Grinsen von Judith wurde immer größer. “Das ist kein Problem!” war meine Antwort. Und schon ging es los :-).

2) Raus an die frische Luft ist gesund, aber was mache ich, wenn mein Kind gar keine Lust auf rausgehen hat? Hast du ein paar Tipps?

Für mich das Wichtigste: selbst voller Motivation und Energie sein. Das steckt an! Wenn wir lustlos unsere Schuhe anziehen, dann tun das unsere Kinder auch. Und manchmal hilft auch Humor und auf andere Gedanken bringen.

#Tipp 1: Bei kleinen Kindern sind “falsch-herum” Spiele gut. Den Schal um den Kopf wickeln und mit den Beinen versuchen, in die Ärmel der Jacke zu steigen. Oft kommt dann ein entrüstetes: “Aber Mama, das geht doch so!” und zack – die lieben Kleinen haben sich selbst angezogen. 

#Tipp 2: Worte wirken Wunder. Auf Abenteuer-Tour gehen klingt besser als Wandern. Dazu darf es dann aber kein breiter Forstweg sein – oder, noch schlimmer: lange asphaltierte Wege. Sondern schmale Pfade, vielleicht an einem Bach entlang. Ein Lager bauen lockt die meisten Grundschulkinder auch hervor. 

#Tipp 3: Bei älteren Kindern sind die Freunde immer wichtiger und die gehen gerne mit, sofern es spannend ist. Fahrradtour mit Camping, Übernachten mit Zelt im Wald - und wenige Jahre später sind sie alleine unterwegs und wir können uns sicher sein, dass sie gut zurechtkommen werden. 

Und ganz ehrlich: Wenn mein Kind so gar keine Lust hat, dann gehe ich eben alleine. Mir ist dann wichtig, dass ich draußen bin, gut gelaunt und voller Energie zurückkomme, anstatt schlechte Laune zu haben, dass es nicht nach draußen ging.  

3) Abenteuer klingt ja toll, mit kleinen Kindern komme ich aber oft nicht weit. Kann ich bei mir vor der Haustüre Abenteuer erleben, obwohl es bei uns gar nichts besonders Aufregendes gibt?

Ja, klar. Ein Abenteuer ist immer eine Frage der Perspektive. 

Mit Lupe ausgerüstet, kann es zum Beispiel auf Krabbeltier-Safari gehen. Gerade jetzt im Frühling gibt es so viel zu entdecken. Oder im Wald finden sich oft Plätze, an denen Holz gemacht wurde und noch viel Rinde herumliegt. Das ist eine perfekte Gelegenheit, um eine Murmelbahn zu bauen.

Bei Kindern stellt sich viel schneller das Abenteuer-Gefühl ein als bei uns Erwachsenen. Aber ich habe es selten erlebt, dass ich die erste Nacht im Zelt auf einem Trekkingplatz mitten im Wald komplett ruhig schlafe. Das liegt bei uns auch fast vor der Haustür, sorgt aber für absolutes Abenteuer-Gefühl.

4) Was nimmst du immer mit, wenn du mit Kindern rausgehst?

Ein Taschenmesser, ein Stoffbeutel, ein kleines Erste-Hilfe-Set und tatsächlich eine Rolle Toilettenpapier und eine kleine Schaufel. In einer Kindergruppe muss ein Kind immer. Im Wald ist dann nicht unbedingt eine Toilette in der Nähe, also besser vorbereitet sein. Getränke und einen kleinen Snack habe ich auch immer dabei. 

5) Du schreibst auf deinem Blog auch über Schatzsuchen für Kinder. Was war die beste Schatzsuche, die du bisher ausgerichtet hast?

Oh, das ist schwierig. Die besten Schatzsuchen waren die, die ich spezifisch für die Kinder zum Geburtstag entwickelt habe. Eine Familie hatte einen Hühnerstall und das Motto sollte “Dinos” sein. Also drehte sich alles um ein verschwundenes Dino-Ei und das lag dann neben dem Schatz im Hühnerstall. Es ging aber auch schon um verschwundene Reitstiefel oder das Lieblingskuscheltier. Oder ein Rätsel, bei welchem die Lösung bei der Nachbarin war, die dann den nächsten Hinweis aushändigte.

Die besten Schatzsuchen sind einfach die, bei denen die Mütter mir zurückmelden, wie viel Spaß die Kinder hatten :-).

6) Du entdeckst gerne Neues. Welche Gegend der Welt würdest du gerne als nächstes kennen lernen?

Das ist ganz klar. Ich würde gerne noch mehr die Hausberge rund um Bergen kennenlernen, aber auch noch viel mehr das Jostedal. Beides Gegenden in Norwegen - unserem absoluten Lieblingsland.
7) Hast du eine Lieblings-Jahreszeit um draußen zu sein?

Eigentlich habe ich nur eine Jahreszeit, die ich nicht so mag. Das ist der Winter. Richtig kalt ist auch gut, aber meist ist es ja nur nasskaltes Schmuddelwetter. Zu der Jahreszeit bin ich froh, dass wir einen Hund haben und tägliches rausgehen so einfach dazu gehört.

8) Hast du schon mal draußen übernachtet?

Also, jetzt noch nicht in Hängematte oder im Schlafsack unter freiem Himmel, aber in einem kleinen Trekkingzelt schon oft. Ob als Jugendliche im Segelcamp, beim Kanufahren oder auf einem Trekkingplatz im Pfälzer Wald.

9) Du hast einen Blogartikel geschrieben über die besten Ausreden, um nicht rauszugehen. Hast du eine Lieblingsausrede?

Sogar zwei :-). Sie stammen von einer Freundin: “Ich schlafe nie im Leben draußen, da gibt es Nacktschnecken” und “Ich habe keinen Rucksack.”

10) Wenn das Wetter mal richtig ungemütlich ist: Was machst du gerne drinnen?

Lesen. Ich bin ein Bücherwurm und habe noch viel zu viele, die ich nicht vollständig durchgelesen habe.

Wenn du jetzt mehr über Stefanie und Abenteuer vor der Haustüre wissen möchtest, schau auf jeden Fall auf ihrem Blog mama-macht-abenteur.com vorbei.